Der joggende Bischof

Vor zehn Jahren kam Ludwig Schick als Erzbischof nach Bamberg. Zunächst war die Skepsis groß. Heute ist er in seiner Diözese ein geschätzter Hirte.

Bamberg – Was Bischöfe wohl ihn ihrer knapp bemessenen Freizeit machen? Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick geht zum Joggen. Frühmorgens um fünf Uhr, wenn es noch dunkel ist in der Stadt. Großes Aufhebens will er um dieses Hobby aber nicht machen. Schmunzelnd sagt er: „Es ist zwar nicht sehr wichtig, aber umso bekannter, dass ich jeden Tag jogge.“ Nach der Fünf-Kilometer-Runde feiert Schick die Messe. Dann beginnt der Arbeitstag des katholischen Kirchenmannes.

Seit zehn Jahren steht er an der Spitze des Erzbistums Bamberg. An diesem Freitag (21. September), genau ein Jahrzehnt nach der Amtseinführung, veranstaltet die Erzdiözese deshalb einen Festakt. Einen Tag später wird Schick 63 Jahre alt. Als der Kirchenrechts-Experte nach Bamberg berufen wurde, war die Skepsis groß: Er war Generalvikar und Weihbischof in Fulda – unter Johannes Dyba, dem streng konservativen Fuldaer Erzbischof. Würde dieser Wind jetzt auch in Bamberg wehen?

Heute weiß man: Viele Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Schick ist ein in seiner Diözese geschätzter Hirte. Er sei „nicht nur ein überaus engagierter, sondern auch ein sehr beliebter Erzbischof“, sagt der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). „Ludwig Schick sucht den Kontakt zu allen seinen Kirchengemeinden und ist ein echter „Bischof zum Anfassen.“ Auch schmerzhafte Entscheidungen, wie die Bildung großer Seelsorgeeinheiten wegen des großen Priestermangels erklärt er den Menschen vor Ort. „Er reist viel herum im Erzbistum, er will mit den Leuten ins Gespräch kommen. Er hat die pastorale Situation im Blick“, sagt Elisabeth Schillab, die Vorsitzende des Diözesanrats. Schick signalisiere auch immer deutlich, wie wichtig ihm das Engagement und die Arbeit der Laien seien.
Trotzdem hat Schillab noch Wünsche: mehr Frauen in Führungspositionen im Ordinariat zum Beispiel. Man solle gezielt nach „qualifizierten und kompetenten Frauen“ suchen. Auch sie könnten Verantwortung in der Bistumsverwaltung übernehmen. Und: Wenn die Seelsorgeeinheiten immer größer werden und ein Pfarrer für mehrere Gemeinden zuständig ist, dann könnten Laien in den Gemeinden wichtige Ansprechpartner werden und dafür beispielsweise eine eigene Beauftragung bekommen. „Hier muss einiges passieren.“ Rund 780 000 Katholiken gehören dem Erzbistum an.

Als Chef der Kommission Weltkirche in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) genießt Schick weit über Bamberg hinaus Ansehen. Schon oft hat er Afrika bereist, um sich vor Ort ein Bild von den Nöten auf diesem Kontinent zu machen. Er prangert den Landkauf westlicher Investoren an, er lobt Afrika als „reichen und entwicklungsfähigen Kontinent“. Sein Erzbistum pflegt eine enge Partnerschaft mit dem Senegal.

2010, vor dem Ökumenischen Kirchentag in München, eröffnete Schick eine Diskussion ums Zölibat. Auch eine Diakonenweihe von Frauen hatte er in der Kirchenzeitung „Heinrichsblatt“ nicht kategorisch ausgeschlossen. Doch dann ist es wieder still geworden um diese mutigen Reformdiskussionen. In Kirchenkreisen hält sich hartnäckig das Gerücht, Schick sei von konservativen Bischofskollegen zurückgepfiffen worden. In der Bischofskonferenz gilt er als gemäßigter Vertreter. Als Kandidat für den prestigeträchtigen Bischofsstuhl von Berlin ist er gehandelt worden. Doch mittlerweile ist fraglich geworden, ob die kirchliche Karriereleiter noch eine weitere Stufe für Schick bereit hält.

Der im mittelhessischen Marburg geborene Geistliche ist keiner, der sich als Kirchenfürst geriert, oft wirkt er nachdenklich, fast demütig, wie beispielsweise bei der 1000-Jahr-Feier des Bamberger Doms im Mai. Wenn er in dem geschichtsträchtigen Gotteshaus stehe, dann denke er schon darüber nach, ob er alles richtig mache, damit die Kirche von Bamberg eine gute Zukunft hat, sagte er damals.

Bamberg ist ein Erzbistum mit vielen evangelisch geprägten Landstrichen und mit stolzen protestantischen Städten wie Nürnberg, Coburg, Erlangen oder Bayreuth. Es ist das einzige Diaspora-Bistum Bayerns, in seinem Gebiet leben mehr Nichtkatholiken als Katholiken. Ökumene ist hier nicht nur Theorie, sondern muss praktiziert werden. Deutlich wird das bei den Worten des Nürnberger evangelischen Regionalbischofs Stefan Ark Nitsche, der über Schick sagt: „Die Botschaft des Evangeliums vom menschenfreundlichen Gott ganz konkret zu machen und ihr im Alltag der Menschen ein Gesicht zu geben, ist unser gemeinsames Herzensanliegen.“

(Kathrin Zeilmann, Neue Presse)