Kirchliches Leben ist in Wickendorf spürbar

Vor 75 Jahren wurde die Wickendorfer Rosenkranzkönigin-Kirche geweiht – Zum Jubiläum kam der Bamberger Generalvikar und Jugendliche zechten nach vielen Jahrzehnten wieder.

Vier Tage lang feierten die Wickendorfer ihre Jubiläumskirchweih. Alle Besucher waren sich einig, dass nach der 650-Jahr-Feier im vergangenen Jahr wieder ein tolles Fest gefeiert wurde. Auch Kirchenpfleger und Hauptverantwortlicher des Festes, Matthias Beetz, zog ein positives Resümee über alle Veranstaltungstage. „Vor allem der Kirchweihsonntag mit dem Festgottesdienst und dem Plantanz am Nachmittag wird uns Wickendorfer noch lange in Erinnerung bleiben“, so Beetz.

Den Auftakt machte am Freitag DJonny, der mit seiner Musikrichtung bei den jungen Gästen voll ins Schwarze traf. Am Samstagnachmittag wurde der Kirchweihbaum aufgestellt. Kurz nach 14 Uhr ging es los und eine gute halbe Stunde später war der Baum aufgerichtet. Unter dem Applaus vieler Wickendorfer Zuschauer war dies ein weiteres Highlight der Feierlichkeiten. Während die Zecher den Plan um den Baum aufbauten, gingen die Gäste ins Festzelt zu Kaffee, Kuchen, Bier und Gegrilltem. Auch am Samstagabend war beim Fest "75 Jahre Kirche Wickendorf" einiges geboten: Die Organisatoren des Plantanzes, Heide See und Dagmar Jakob, erklärten, was alles zum „Zechen“ gehöre und mit Marschmusik zogen die Zechpaare ins Zelt ein. Die Zechpaare stellten sich dem Publikum vor und erhielten ihre nötigen Utensilien. Anschließend wurde die Fußball-EM-Begegnung Deutschland gegen Portugal auf Großbildleinwand übertragen. Die zahlreichen Festbesucher konnten sich über den 1:0 Sieg der deutschen Mannschaft freuen. Danach gab es Stimmungsmusik mit den Wickendorfer Musikanten.

Am Sonntagvormittag fand der Festgottesdienst in der 1937 geweihten Kirche statt. Die Vereine und Institutionen aus Wickendorf sowie die Ehrengäste trafen sich zur Kirchenparade am Feuerwehrhaus und zogen dann zum Totengedenken zum Ehrenmal. Dort wurde aus Dankbarkeit und zur Ehre aller Verstorbenen, die durch ihr körperliches und geistiges Wirken sowie durch ihre finanzielle Unterstützung das Gotteshaus erbaut, erhalten und mit christlichen Leben erfüllt haben, eine Schale niedergelegt. „Weil wir Menschen unsere Kirche durch unseren Glauben mit Leben erfüllen und so eine lebendige, lebenswerte Gemeinschaft bilden hat dieses Gebäude für viele Generationen in unserer Gemeinde Wickendorf eine große Bedeutung“, so Kirchenpfleger Matthias Beetz. Anschließend zelebrierte Generalvikar Monsignore Georg Kestel aus Bamberg gemeinsam mit Pfarrer Joachim Lindner und den aus Wickendorf stammenden Priester Hans Martin den Gottesdienst. Musikalisch wurde die Festmesse von der Singgruppe „Cantate Nova“ und Organist Florian Beetz gestaltet.
„Als Christen sind wir lebendige Steine der Kirche von heute, wie das Neue Testament sagt. Dabei sind und bleiben wir Menschen aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Schwächen – so wie es das Alte Testament vom Stammvater Jakob erzählt“, sagte der Bamberger Generalvikar in seiner Predigt. Das Verhältnis zu Gott schließe immer auch ein Ringen mit ein. „Was unsere heutige Zeit im Zeichen der Esoterik und eines allgemein schwindenden Glaubensbewusstseins zu vergessen droht, ist der Ernst und die Tiefe des Gottesglaubens, der in Bibel deutlich wird. Gott ist nicht einfach die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, kann nicht einfach nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage behandelt werden. Eine Gottesbegegnung wird den Menschen verändern, kann ihn auch zeichnen, verlangt von ihm den Einsatz all seiner Möglichkeiten.“ Kestel ging weiter auf die Lesung ein: „Er errichtet einen Altar und benennt den Ort jeweils nach dieser Gottesbegegnung. Die ganz persönliche und einmalige Gottesbegegnung des Jakob wird dadurch gleichsam exemplarisch für andere fassbar, wird auch in der Heiligen Schrift überliefert, sie wird zu einem Modell des Glaubens für andere.“
Beim Festkommers konnte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Uwe Thoma neben dem Generalvikar Georg Kestel und den Konzelebranten auch politische Gäste begrüßen. „Das diesjährige Jubiläum will nicht bloß geschichtliche Erinnerung sein, vielmehr ein Anruf Gottes an jeden von uns, den Kirchenbau, damals vor 75 Jahren begonnen, fortzuführen, diesen Bau aus Stein mit Leben zu erfüllen und vom Altar aus Gemeinde zu bauen auf dem Fundament, das in Christus gelegt ist und in Gemeinschaft und Verantwortung eines jeden einzelnen aus unserer Pfarrei“, so Thoma. Der PGR-Vorsitzende ging auch auf die Geschichte der Wickendorfer Kirche ein, die Friedrich Schubert in einer Festschrift zusammenfasste.
Zweiter Bürgermeister Stephanus Neubauer sagte in seinem Grußwort, dass unsere Kirchen und unsere Vereine die Keimzellen der Gesellschaft seien. Er lobte auch die Jugendlichen, die sich für das Zechen begeistern ließen. Die weitere Stellvertreterin des Landrates, Jutta Laczó, sei von klein auf christlich erzogen worden, deshalb habe ihr der Glaube immer viel bedeutet. Schließlich versuche sie das in ihrem Leben als Politikerin zu beherzigen. Beeindruckt waren die Ehrengäste auch vom Totengedenken sowie dem Festgottesdienst.
Dankesworte sprach Kirchenpfleger Matthias Beetz allen Kirchenverwaltungen vor unserer Zeit aus, die sich um den Bau und Erhalt unserer Kirche mit ihren vielen Nebengebäuden wie Pfarrhaus, Pfarrsaal, Kindergarten und Jugendzimmer, pflichtbewusst gekümmert haben. „Auch allen Pfarrgemeinderäten aus der Vergangenheit und den amtierenden Pfarrgemeinderat mein Dank. Durch das gute Mitwirken des Pfarrgemeinderates in unserer Gemeinde wird das christliche Leben erfahrbar und die Seelsorgetätigkeit gefördert“. Schließlich sagte Beetz ein großes Dankeswort an allen Helfern, die sich das ganze Jahr im und um das Gotteshaus kümmern und zollte allen Mitwirkenden und Helfern des Jubiläumsfestes seinen Dank aus.
Nach dem Mittagessen zogen die Zechburschen mit den Wickendorfer Musikanten los, um die Zechmadla daheim abzuholen. Am Festplatz wurden die Zechpaare von vielen Gästen erwartet. Drei Stunden lang tanzten dann die Zecher mit Kindern, Erwachsenen und Senioren im liebevoll gestalteten Plan um den von Siegfried Hofmann gestifteten Kirchweihbaum. Für die Kinder organisierten die Ministranten ein Quiz rund um die Kirche.

Am Montag erfreuten die Zechpaare und die Wickendorfer Musikanten die Bewohner mit Kirchweihständerla im Ort. Zum Festausklang wurden im Zelt Bilder und Videos der letztjährigen 650-Jahr-Feier gezeigt. ut

Zahlreiche Bilder vom Festwochenende unter www.facebook.com/wickendorfer.musikanten.