Chronik über den Kirchenbau in Wickendorf

(entnommen aus der Festschrift anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Weihe der Kirche in Wickendorf im Jahre 2012, von Friedrich Schubert)

Zur Vorgeschichte (vor 1926)
Über das religiöse Leben in Wickendorf ist eigentlich nur wenig berichtet, weil wir seit unserer ersten urkundlichen Erwähnung am 18.07.1361 immer zur Pfarrei Teuschnitz gehörten. Da die Wickendorfer kein eigenes Gotteshaus hatten, mussten sie zu allen Jahreszeiten bei Wind und Wetter den nur zwei Kilometer langen Fußweg zurücklegen, um die Sonn- und Werktagsgottesdienste in Teuschnitz zu besuchen. Besonders im Winter war der Weg nach Teuschnitz älteren Leuten und Kindern nicht zuzumuten.

In Wickendorf befindet sich seit dem 19. Jahrhundert in Ortsmitte neben dem Schulhaus eine kleine Kapelle mit einer Bodenfläche von kaum 6 Quadratmetern. Laut dem Ortsplan von Wickendorf aus dem Jahr 1853 befanden sich am heutigen Standort der Kapelle nur noch die Reste einer zerfallenen Kapelle, die laut mündlicher Überlieferung zwischen 1813 und 1815 erbaut gewesen sein soll. In seinem Antrag an das Königliche Pfarramt Teuschnitz am 17.04.1864 schreibt der damalige Bürgermeister Daum, dass die aus Mitteln von „Gutthätern“ (Spendern) zu erbauende Kapelle eigentlich nicht zum öffentlichen Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen eingerichtet werden soll. Man war also von der Mutterkirche Teuschnitz her sehr darauf bedacht, dass sich in den umliegenden Ortschaften nicht zu viel kirchliche Eigenaktivitäten entwickeln konnten. Bittprozessionen und sonstige Wallfahrten gingen von Teuschnitz aus. Das „musikalische Früchteamt bzw. Feldfrüchteamt für die achtbare oder ehrbare Gemeinde Wickendorf“ wurde nach den Verkündbüchern der Pfarrei Teuschnitz seit 1838 immer am Tag nach Christi Himmelfahrt in Teuschnitz abgehalten. „Am 26.08.1855 wird auf Verlangen eine Wallfahrt nach Glosberg und zwar unter Begleitung eines Geistlichen geführt werden. 5 Uhr früh in der Pfarrkirche versammeln“ ist im Verkündbuch zu lesen. Für Donnerstag (30.07.1857) wird eine Heilige Messe nach Meinung der Wallfahrer von Teuschnitz und Wickendorf nach Marienweiher verkündet. Unter dem 13.06.1859 ist folgender Eintrag zu finden: „Aus Rücksicht wegen durch Hagelschlag am 03.06.1859 verursachten dringender Feldarbeit wurde die Schule in Teuschnitz die ganze vorige Woche ausgesetzt gelassen.“ Damals hatten nämlich die Pfarrer die Schulaufsicht inne. Auf dieses Unwetter geht auch das Gelübde der Wickendorfer zurück, am Tag nach Christi Himmelfahrt aus Dankbarkeit nach Teuschnitz zu wallen, weil ihre Flur verschont geblieben war. Die erste Hagelprozession war also am 18.05.1860. Für „diejenigen Einwohner von Wickendorf und Teuschnitz, welche jüngst nach Marienweiher wallfahrteten“, wurde am 17.07.1859 ein Engelamt verkündet. Die Bittprozessionen wurden 1860 auch zum ersten Mal aufgeführt und zwar: Montag, Bittprozession nach Haßlach; Dienstag, Bittprozession nach Marienroth; Mittwoch, Bittprozession in Teuschnitz.

Im Bamberger Staatsarchiv fand ich unter der Rubrik „Nichtpolitische Vereine“ nach der Freiwilligen Feuerwehr folgenden Eintrag: „Arbeiterverein“ gegründet 25. April 1880, Zweck: Die jugendlichen Arbeiter vor Ausschweifungen zu schützen. Vorstand: Johann Neubauer (Hs.-Nr. 12) “. Der Zweck „Die jugendlichen Arbeiter vor Ausschweifungen zu schützen“, die Überschrift „Nichtpolitische Vereine“ und der Beruf des Vorstandes „Bauer“ weisen auf einen katholischen Arbeiterverein hin. Damit ist also die christliche Arbeitnehmerbewegung in Wickendorf acht Jahre älter als die bis vor kurzem noch als älteste geltende in Wilhelmsthal, die erst im Jahr 1888 gegründet wurde. Diese schlossen sich im Jahre 1891 zum „Verband Süddeutscher Katholischer Arbeitervereine“ zusammen. Wie bekannt wurden durch die Nazis nach 1933 alle Vereine zu Gunsten nationalsozialistischer Organisationen verboten. Nach dem Krieg begannen 1947 die ehemaligen Arbeitervereine unter dem Namen „Werkvolk – Süddeutscher Verband katholischer Arbeitnehmer“ neu. In Wickendorf wurden am 13.02.1949 eine Einführungsversammlung, und am 17.02.1949 die erste Mitgliederversammlung mit Wahl der Vorstandschaft durchgeführt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Baptist Fehn gewählt. Ich erinnere daran, dass es ohne den 1. Kuratus in Wickendorf Adam Wolf und den damaligen Vorsitzenden des Katholischen Werkvolks Baptist Fehn in Wickendorf keinen Kindergarten gäbe. 1971 wurde aus dem Werkvolk die Katholische Arbeitnehmer – Bewegung, kurz KAB.

Im Jahr 1880 soll auch die schon 1864 beantragte Kapelle erbaut worden sein wie an Schiefersteinen ersichtlich, die bei der Renovierung der Kapelle 1982 gefunden wurden. Allerdings war sie schon 1912 auf Veranlassung des damaligen Lehrers Hans Knorr im Innern erneuert worden. Der 17.07.1889 war für Wickendorf ein höchst bedeutsamer Tag, weil der erste Priester aus der Gemeinde in der Teuschnitzer Pfarrkirche seine Primiz feiern konnte. Der Läutdienst zu bestimmten Gebeten und Anlässen war bis zum 21. Juni 1937 Aufgabe der Gemeinde. Seit wann die Wickendorfer eine eigene Gemeindeglocke hatten, lässt sich nicht feststellen. Es ist anzunehmen, dass sie schon von alters her im Türmchen des Anwesen Nr. 39 hing, weil ja daneben die spätere Kapelle stand. Sie trug die Inschrift: „ 1749 gestiftet von Johann Fiedler, Schultheiß, Johann Förtsch, Margareta Förtsch Hersteller: Keller, G. M. J. St. Marien geweiht.“ Sie war 106 kg schwer und wurde laut Rechnung vom 30.09.1937 von der Firma Lotter, Bamberg für 115,00 Mark für eine neue Glocke mit eingetauscht.

Anlass zum Bau der Kirche in Wickendorf
Sowohl bei den Empfangsfeierlichkeiten der aus dem Weltkrieg 1914/18 heimkehrenden Feldzugssoldaten als auch bei der Rückkehr der Kriegsgefangenen wurde jedes Mal ausdrücklich betont, dass zu gegebener Zeit den 12 Gefallenen und drei Vermissten der Gemeinde ein würdiges Denkmal der Liebe und Dankbarkeit gesetzt werden müsse. Laut Gemeinderatssitzung vom 25. Mai 1924 lehnt die Gemeinde Wickendorf eine Beteiligung am Bau eines gemeinsamen Kriegerdenkmals für alle Gefallenen und Vermissten der Pfarrei Teuschnitz ab und will ein eigenes Denkmal errichten. In einer Sitzung des Krieger- und Veteranenvereins Wickendorf am 19. März 1925 wurde der Wunsch laut, dass dieses Denkmal die Gestalt einer Kapelle annehmen möge, die es ermöglicht, dass auch öfters Gottesdienste darin gehalten werden könnten. Mit den Vorarbeiten zur Durchführung dieses Planes wurde Hauptlehrer Hans Knorr betraut. Nach Rücksprache des Herrn Knorr mit dem Stadtpfarrer von Teuschnitz, Herrn Dekan Georg Mauderer, wurde von diesemvorgeschlagen, anstatt einer Kapelle doch gleich eine Kirche zu bauen, da Wickendorf mit damals über 500 Einwohner und zwei Schulstellen unbedingt einer Kirche bedürfe. So kam es am 5. April 1925 zur Gründung eines Kirchenbauvereins in Wickendorf. Aus dem Protokoll von dieserGründungsversammlung geht hervor, dass sich im Saal der Gastwirtschaft Fiedler der größte Teil der Einwohnerschaft von Wickendorf einfand. Durch Akklamation erfolgte die Wahl einer Vorstandschaft und eines Bau-Ausschusses.

Die Vorstandschaft des Kirchenbauvereins Wickendorf:

1. Vorsitzender: Nickol Johann, 14; 1. Bürgermeister
* 30.01.1892 Wi 14 † 30.03.1929 Wi 14
2. Vorsitzender: Knorr Hans, 56; Hauptlehrer
* 29.05.1872 † 20.07.1938
Geistlicher Beirat: Mauderer Georg, Dekan und Stadtpfarrer in Teuschnitz
* 06.10.1881 Lichtenfels † 05.08.1954 Pretzfeld

Die Mitglieder des Bau-Ausschusses:

1. Zipfel Johann, 13; Landwirt; 2. Bürgermeister
* 26.04.1885 Wi 13 † 04.01.1962 Wi 13
2. Hofmann Johann, 19; Landwirt; Altbürgermeister
* 27.11.1877 Wi 19 † 06.01.1961 Wi 19
3. Hofmann Johann, 1; Landwirt; Mühlen- und Sägewerksbesitzer
* 01.05.1873 Wi 1 † 25.08.1930 Erlangen
4. Schneider Johann, 38; Schieferdecker
* 17.12.1873 Wi 38 † 13.03.1958 Wi 38
5. Martin Georg, 41; Schreiner; später Kirchenpfleger
* 15.01.1877 Wi 41 † 24.03.1956 Wi 41
6. Jakob Johann, 59; Schieferarbeiter; später Messner
* 24.12.1876 Wi 5 † 16.11.1932 Wi 59

7. Fehn Johann, 61; Schieferarbeiter; Gemeindediener
* 08.07.1883 Wi 51 † 19.08.1960 Wi 81
8. Förtsch Johann, 68; Schmied
* 28.08.1879 Wi 20 † 17.12.1963 Wi 68

Am 16.01.1926 wurde für den am 01.09.1925 nach Bug bei Bamberg versetzten Hauptlehrer Hans Knorr in die Vorstandschaft des Kirchenbauvereins als Ersatzmitglied gewählt:

Rech Johann, 50; Landwirt
* 12.07.1875 Gifting † 26.03.1945 Wi 6

In der Versammlung vom 01.11.1926 wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt:

Wallner Hans, 56; Lehrer und Schulleiter
* 15.04.1902 Bamberg † 10.09.1958 Forchheim

auch wurden noch als weitere Ausschussmitglieder gewählt:

1. Fiedler Johann, 15 * 18.11.1889 Wi 32 † 09.09.1969 Wi 15
2. Förtsch Georg, 16 * 01.12.1888 Wi 57 † 25.10.1931 Wi 16
3. Heinlein Johann, 26 * 05.07.1873 Fö † 18.07.1947 Wi 26
4. Schmidt Peter, 29 * 15.05.1885 Wi 29 † 26.09.1947 Wi 29
5. Hofmann Andreas, 34 * 24.01.1882 Wi 18 † 16.06.1950 Wi 34
6. Nickol Johann, 37 * 14.06.1875 Wi 37 † 04.09.1938 Wi 37
7. Heinlein Josef, 47 * 04.06.1882 Wi 47 † 01.11.1958 Wi 47
8. Hofmann Johann, 49 * 12.03.1894 Wi 49 † 11.08.1949 Wi 49
9. Hofmann Georg, 50 * 05.12.1876 Wi 49 † 23.05.1969 Gifting
11. Barnickel Georg, 52 * 21.04.1870 Fö † 27.08.1945 Wi 52
11. Martin Johann, 70 * 02.06.1887 Wi 20 † 12.10.1959 Kronach

Mitglieder des Kirchenbauvereins waren alle erwachsenen Einwohner von Wickendorf, die römisch-katholisch waren. Beiträge wurden nicht erhoben, jedoch wurde eine monatliche Haussammlung durchgeführt, die jeweils 70 bis 120 Reichsmark ergaben. Die Krisenjahre 1931/32, sowie der politische Umschwung 1933 veranlassten den Kirchenbauverein, die monatlichen Sammlungen einzustellen.

Einrichtung eines Betsaales:
Um den Zeitraum bis zum Bau einer Kirche einigermaßen zu überbrücken, entschloss man sich in Wickendorf, einen Betsaal einzurichten. Am 1. November 1926 wurde durch Vereinbarung mit dem Gastwirt Johann Fiedler (15) der zur Gastwirtschaft gehörende Saal eingerichtet und für drei Jahre gepachtet. Der nach Bug bei Bamberg versetzte Hauptlehrer Hans Knorr (Lehrer in Wickendorf von 01.12.1903 bis 31.08.1925) stiftete einen älteren Altar, den er von der Kirchenverwaltung in Bug erworben hatte. Dieser Altar wurde repariert und im Betsaal aufgestellt. Später fand er in der neu erbauten Kirche als rechter Seitenaltar Verwendung. Die zum Gottesdienst benötigten und vorgeschriebenen Geräte sowie ein Harmonium wurden angeschafft. Weihbischof Dr. Adam Senger stellte ein Messbuch sowie einen Altarstein unentgeltlich zur Verfügung. Landwirt Johann Zipfel (13) stiftete ein Orgelbuch. Durch Schreiben des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg vom 4. November 1926 wurde die Erlaubnis zur Abhaltung von Kath. Gottesdiensten in Wickendorf erteilt. Zelebrant der Feier des ersten heiligen Messopfers in Wickendorf am 21. November 1926 war Stadtpfarrer Mauderer aus Teuschnitz. Während des Gottesdienstes sang der im September 1926 gegründete Kirchenchor unter der Leitung seines Gründers Lehrer Wendelin Zopf (* 03.05.1903 Bamberg † 07.12.1981 Wülflingen). Dieser unterrichtete in Wickendorf vom 15.04.1926 bis zum 30.09.1929. Zu Beginn des Jahres 1930 verpachtete Herr Fiedler seine Gastwirtschaft an den Metzger Max Peter aus Wilhelmsthal. Dieser veranlasste die am 7. Januar 1930 erfolgte Kündigung des Betsaales. Der im Jahr 1925 gegründete Kirchenbauverein sah sich gezwungen, den alten Tanzsaal in der Gastwirtschaft Martin (46) als Betsaal einzurichten. Die Vereinbarung mit den Geschwistern Martin erfolgte am 6. März 1930.

Bau der Kirche in Wickendorf:
Durch die unzumutbaren Verhältnisse des Betsaales und bedingt durch den Wunsch, nach einem Denkmal für die Gefallenen wurde der Bau einer Kirche immer dringlicher und der Wille zum Bau einer Kirche bei den Wickendorfer Bürgern immer stärker. Zunächst stellte sich die Frage nach dem Platz der neu zu erbauenden Kirche und hier wurden verschiedene Vorschläge gemacht. Gastwirt Fiedler erbot sich, einen Bauplatz hinter seinem Anwesen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, jedoch käme hier die Kirche nicht voll zur Geltung. Der Platz unterhalb des Ortsweihers wäre - weil in der Ortsmitte - recht günstig gelegen, jedoch war der Grund zu feucht, die Kirche säße zu tief und verschwände gänzlich gegenüber dem hohen Schulhaus und seiner Umgebung. In seiner Sitzung am 08.12.1928 beschloss der Gemeinderat: „Bauplatz für Kirchenbauverein zur Gedächtniskapelle am nördlichen Gemeindeteich und Verlegung des Feuerhauses“. Als der bestgeeignete Platz wurde das Grundstück der Landwirtswitwe Maria Hofmann,40 (jetzt Schubert/Beetz) befunden. Jedoch wurde nicht verkannt, dass hier die Beischaffung von Baumaterial mit erhöhten Schwierigkeiten verbunden ist.

In der Ausschusssitzung des Kirchenbauvereins vom 21. März 1931 wurde über die Bauplatzfrage neu verhandelt. Am 22.03.1931 beschloss der Gemeinderat. „Die Gemeinde tauscht das Gemeindeäckerlein, Pl.-Nr. 251 (4.400 m²) mit Pl.-Nr. 264 des Förtsch Georg, 16 (5.919 m²). Am 5. Mai 1931 wurde der Bauplatz vermessen und abgesteckt und hatte dieser eine Größe von 1768 m². Auf Veranlassung des Pfarrers und Dekans Mauderer aus Teuschnitz wurden bereits 1931 Pläne und ein Kostenvoranschlag von Professor und Baurat Fuchsenberger in München erstellt und mit einem Gesuch um Gewährung eines Zuschusses zum Bau einer Filialkirche in Wickendorf dem Erzb. Ordinariat in Bamberg vorgelegt. Dieser Antrag wurde am 17. März 1932, 12. Mai 1933, 26. März 1935 und am 29. Februar 1936 wiederholt. Nachdem auf dem letzten Antrag ein Zuschuss zugesagt wurde, konnte am l. September 1936 mit dem Bau der Kirche begonnen werden. Regierungsbaumeister Ludwig Fuchsenberger wurde auf Vorschlag des Erzb. Ordinariats Bamberg mit der Bauleitung beauftragt. Bei der Vergabe der Bauarbeiten wurden die nach der Ausschreibung besonders günstigen Angebote berücksichtigt. Die Bauarbeiten wurden ausgeführt vom Baugeschäft Bayer in Teuschnitz, Zimmermeister Rebhan in Teuschnitz und Schieferdecker Johann Schneider in Wickendorf. Die feierliche Grundsteinlegung fand am Sonntag, dem 20. September 1936 durch Dekan und Stadtpfarrer Georg Mauderer aus Teuschnitz statt. Laut Zeitungsbericht vom 24. September 1936 wurde das Datum „Anno Domini 1936" in harten Fichtelgebirgsgranit eingemeißelt und die Einwohner aus Wickendorf waren trotz fortwährenden Sprühregens in freudiger Erregung. Der Kirchenchor Wickendorf unter Leitung von Junglehrer Hans Hofmann (später Oberlehrer in Wickendorf, † 1986) und die Musikkapelle umrahmten die Feier. Im Auftrag der Gemeinde und des Kirchenbauvereins dankte Lehrer Wallner den Handwerkern am Kirchenbau, dem Kirchenbauverein und Lehrerin Anna Rüttinger für treue und unermüdliche Mitarbeit. Er sprach den Wunsch aus, dass dieser Bau den Gefallenen ein ehrendes Denkmal, den Mitlebenden ein gutes Beispiel der Zusammenarbeit und kommenden Geschlechtern eine ernste Mahnung sei.

Bereits am 5. Juni 1937 konnte die Bauvollendung gemeldet werden. Erzbischof Dr. Jakobus Ritter von Hauck stellte unentgeltlich einen Holzaltar mit reichlichem Zubehör zur Verfügung. Die große Glocke (Ton Cis, 450 Pfund)wurde vom Brauereibesitzer Josef Dietz in Weismain, die kleine Glocke (Ton Fis, 180 Pfund) von den Mühlenbesitzereheleute Georg und Margareta Förtsch in Wickendorf (57) gestiftet. Die Kirchenverwaltung Wickendorf kaufte die mittlere (Ton E, 270 Pfund). Die große (75 cm Außendurchmesser) und mittlere (62 cm Außendurchmesser) Glocke wurden am 21. Januar 1942 unter Aufsicht des Teuschnitzer Bürgermeisters Rebhan abgenommen und der Reichstelle für Metalle übergeben. Am Sonntag den 13. Juni 1937 erhielt die Kirche von Wickendorf die Weihe durch Erzbischof Dr. Jakobus Ritter von Hauck.

Schlusssatz der Urkunde zur Grundsteinlegung:

Erbaut in Tagen ernster Sorge und heißer Liebe zu Vaterland, Kirche und Glauben. Möge dieses Gotteshaus sein den Gefallenen der Gemeinde ein immerwährendes Denkmal und den Lebenden eine Stätte des Gebetes der Gnade und des Trostes für und für. Patronin der Kirche ist Maria, die Rosenkranzkönigin. Das Patronatsfest wird am ersten Sonntag im Oktober (Rosenkranzfest) gefeiert. Der Bau der Kirche war nur möglich durch die großherzige Hilfe des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs Dr. Jakobus Ritter von Hauck, des Diözesansteuerausschusses, durch die Initiative des Kirchenbauvereins sowie des großen Opferwillens der Gemeinde Wickendorf.

Die weitere Geschichte:
Am 27. Januar 1938 wurde die Tochterkirchengemeinde Wickendorf durch das Ordinariat der Erzdiözese Bamberg errichtet. In der Generalversammlung des Kirchenbauvereins am 17. November 1940, in der Stadtpfarrer Geiger (16.04.1940 - 31.08.1966 Pfarrer in Teuschnitz) zum 1. Vorstand gewählt wurde, besprach man die Anschaffung einer Orgel und der Kirchenstühle. Der damalige Bürgermeister Johann Hofmann (49) legte Pläne zur Errichtung eines Friedhofes an der Kirche vor und richtete an alle Waldbesitzer den Appell, das zur Errichtung eines Lattenzaunes benötigte Holz zu beschaffen. Auch die Beschaffung eines Friedhofkreuzes wurde erwogen. Sägewerkbesitzer Otto Hofmann erbot sich, dazu einen Stamm aus Eichenholz zu stiften.

Im Jahre 1941 wurde die von Weihbischof Dr. Senger schon 1933 in Aussicht gestellte Möglichkeit auf Eigenständigkeit wieder in Angriff genommen. Schon im Dezember 1933 hatten die Wickendorfer durch Hans Jakob einen Plan zu einer Kuratenwohnung im Haus des Andreas Hofmann, Wi 34 erstellen lassen. Marienroth und Wickendorf waren sich am 12. Juli 1934 über die Finanzierung des Kuratengehalts einig. Am 09.09.1941 wurde ohne Einverständnis aus Teuschnitz die Kaplanei Teuschnitz nach Wickendorf verlegt, die Filialkirche Wickendorf zur Kuratiekirche und Wickendorf mit Marienroth zur Kuratie Wickendorf – Marienroth erhoben. Am 15.09 1941 bestätigt das Generalvikariat den selbständigen Seelsorgebezirk Wickendorf – Marienroth. Seit dem 01.11.1941 wohnt dann der erste Kuratus Adam Wolf in Wickendorf 34. Nach seiner Heimkehr aus der amerikanischen Gefangenschaft machte sich Kuratus Wolf an den weiteren Ausbau des Kuratiesitzes.

Die Jahre 1946 bis 1948 brauchte man für die Beschaffung der schon 1941 bei der Firma Dietmann in Lichtenfels bestellten und auch angezahlten Orgel. Die in Lichtenfels eingelagerten Orgelteile verwendete die Firma Steinmeier aus Öttingen zum Bau der heutigen Orgel, zu der 1947 von den Waldbesitzern noch 51 Festmeter Holz gestiftet wurden. Die Orgel wurde in der Zeit vom 29.04.1948 bis zum 13.05.1948 aufgestellt und am Pfingstsonntag, dem 16.05.1948 eingeweiht. Erzbischof Josef Otto Kolb verbrachte anlässlich der Firmung in Wickendorf am 17.10.1949 und der Konsekration der Marienrother Kirche (am 18.10.1949) die Nacht in der Kuratenwohnung.

In den Monaten Januar, März und Mai 1949 wurden Haussammlungen für die Kirchenstühle durchgeführt. Ab Juli 1949 ging es weiter mit den Sammlungen für die Glocken. Am 25.09.1949 wurden diese von Domkapitular Ott geweiht. Die große Glocke wurde von der Wickendorfer Bauernschaft (20 Waldbesitzern), die mittlere Glocke von den Kleinwaldbesitzern und Arbeiterschaft gestiftet. Die kleine war ja nicht konfisziert worden.

Das heutige Geläute besteht also aus der großen Glocke: „Gestiftet von den 20 Bauern der Gemeinde Wickendorf; Bild: Maria mit Kind; Regina sacratissimi rosarii; ora pro nobis; A. D. 1949; Lotter, Bamberg“; Gewicht: 5,40 Ztr., Ton : cis 2, der Mittleren Glocke: „Gestiftet von den Kleinbauern und Arbeitern der Gemeinde Wickendorf; Bild: Josef mit Kind; Sante Josephe Patrone fabrum et sanctae ecclesiae; ora pro nobis; A. D. 1949; Lotter, Bamberg“; Gewicht: 3,20 Ztr., Ton:d2 und der Kleinen Glocke: „Gestiftet von Georg und Margareta Förtsch auf der Mühle; Bild: Hl. Georg; CH. Lotter, Bamberg 1937“; Gewicht: 1,80 Ztr.; Ton: fis2.

In den Jahren 1950 - 52 wurde das Kuratenhaus mit Wirtschaftsgebäude gebaut. Der Bau des Kindergartens (im Bauantrag Kinderbewahranstalt) wurde von 1953 bis 1956 durchgeführt. Weihbischof Dr. Michael Landgraf konnte dem Kindergarten am 22.04.1956 die kirchliche Weihe geben. Später kam noch eine Schwesternstation der Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen dazu. Kuratenhaus- und Kindergartenbau verdankt die Gemeinde Wickendorf in erster Linie der Initiative und Schaffenskraft ihres damaligen Kuraten Adam Wolf, sowie der Spendenfreudigkeit und Tatkraft aller Wickendorfer Bürger.

Kuratus Adam Wolf konnte nach seiner Ernennung zum Pfarrer von Burgwindheim auf sein Lebenswerk in Wickendorf mit Zufriedenheit und Stolz zurückblicken. Das heute noch Wickendorf prägende Ensemble Kirche, Kuratenhaus und Kindergarten waren vollendet.

Unter dem zweiten Kuratus Emil Lorenz wurde die Kirche 1961 innen renoviert. Die Inneneinrichtung bestand bis jetzt nur aus Geschenken. Der Hochaltar vom Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Jakobus Ritter von Hauck, der rechte Seitenaltar vom Lehrer Knorr und der linke Seitenaltar die gestiftete Marienstatue von der Lehrerin Anna Rüttinger. Mit der Gestaltung wurde der Bamberger Künstler Alfred Heller (* 03.04.1924 Bamberg, † 08.04.2012 Bamberg) beauftragt. Dadurch erhielt unsere Kirche im Grunde ihr heutiges Aussehen. Bei der Haussammlung zur Innenrenovierung kamen 17.545,00 DM zusammen. Zur Außenrenovierung 1962 sammelte Kuratus Lorenz 8. 624,82 DM ein.

Die Belegschaft der Zigarrenfabrik „Bruns bey Rhein“ aus Sandhausen bei Heidelberg sammelte schon zu Wolfs Zeiten für einen Kreuzweg in der Kirche. Es hingen nur kleine gerahmte Kreuzwegbildchen an den Stationen. Die noch vielen bekannte „Hertelstante“ Maria Hertel (* 15.09.1893 Reichenbach, † 22.05.1973 Kronach ) sammelte also bei ihren Arbeitskolleginnen eifrig weiter, denn der nun stilistisch zum neu gestalteten Kirchenraum passende Kreuzweg ( Mosaikart) war erheblich teurer als der ursprünglich geplante aus Bildtafeln.

Am 19.03.1963 konnte der am 10.03.1963 in Bamberg geweihte Neupriester Hans Martin in Wickendorf sein erstes heiliges Messopfer feiern.

Der dritte Kuratus Johannes Spörlein ließ im Mai 1966 eine Heizung und im Jahr 1967 eine elektrisch betriebene Turmuhr einbauen.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ( 1962 – 1965) wurden durch die einsetzende Liturgiereform ( beginnend mit der Instruktion „Inter oecumenici“ von 26.09.1964) in den meisten katholischen Kirchen freistehende Altäre unter der Bezeichnung „Volksaltäre“ ( coram populo) eingerichtet. Im Herbst 1970 wurde mit sehr großem Können und Geschick die Mensa (Altartisch) des Hauptaltars mit den Maßen 2,40 m – 1,20 m – 0,22 m so aufgeteilt und –gesägt, dass man die Mensen für den jetzigen Altar ( 1,70 m – 0,90 m) und des Tabernakels ( 1,20 m – 0,70 m) herausbrachte. Man erhielt auch noch zwei Säulen mit den Maßen ( 80 cm – 30 cm – 22 cm). Als Abfall hatte man nur ein Stück mit den Maßen (30 cm – 22 cm – 10 cm). Der alte Altarsockel wurde an die jetzige Stelle, der Altarsockel des Marienaltars zum Tabernakel hoch gebracht. Die zwei Säulen wurden unter die Mensa des Marienaltars gestellt. So wurde also recht kostengünstig die liturgische Erneuerung baulich in Wickendorf umgesetzt.

Im Lauf der Jahre wurden verschiedene Heiligenfiguren, die man auf dem Dachboden gefunden hatte, wieder in der Kirche installiert. Diese stilistischen Fehlentwicklungen wurden bei der Innenrenovierung im Jahr 2008 revidiert.